Ein Gedanke an die mit dem anderen Klischee.
Heute Abend geht mein innigster Gruß raus an die, die das andere Klischee erfüllen. An die, die nicht mitsamt der Geschenkeorgie und den Großeltern unterm prall geschmückten Weihnachtsbaum sitzen und glitzernde Klebesternchen von ihren Heimlichkeiten abfriemeln können. An die, die nicht versehentlich zuviel Ketchup über die Wienerwürstchen und den selbstgemachten Kartoffelsalat kippen. An die, die nicht Loriot auf einem Dritten schauen und dabei beseelt viel zu süßen Rotwein trinken können.
Dieser Gruß ist an jene gerichtet, die alleine in die Nacht flüchten müssen. An all die, die tagsüber vorsätzlich arbeiten gehen, um die Einsamkeit vergessen zu können. An die, die zuhause bei einer Kerze sitzen und sich fragen, wo ihr geliebter Mensch jetzt ist.
Ich möchte heute nicht scheinheilig anmuten. Bin ich ja sonst sowieso nicht, aber ich denke heute trotzdem an all die, die es nicht leicht haben. Ich möchte mich an Menschen erinnern, die heute mit dem Kopf auf der Theke in einer Bar versacken. An die Frust-Trinker. Die Whisky-Trinker. Die Trinker-Trinker. Die Nicht-Trinker und Wahn-Esser. Die Nicht-Esser. Die Nicht-essen-Woller. Die Nicht-essen-Könner. Die Nichts-Haber, die jetzt suchend durch die Straßen streifen. Die verloren durch die Straßen schwanken. Die Verlorenen. Die, die aufgegeben haben und sich fragen, was das alles eigentlich soll. Die, die ihr ganzes Leben lang nur Pech gehabt haben und trotzdem glücklich sind. Die, die das ganze Leben lang nur Glück gehabt haben und trotzdem todsterbens traurig und unzufrieden sind. Die Unzufriedenen. Die Friedlichen, die alles nehmen, wie es kommt, wenngleich sie da jetzt um ein Feuerchen ohne Dach überm Kopf sitzen. Die Nicht-Friedlichen, die nicht friedlich sein dürfen, weil sie zum Nichtfriedlichsein gezwungen wurden. Die Unterdrückten, Geschändeten und Misshandelten. Die Wehrlosen. Die, die es besser wissen. Die, die es nicht besser wissen können.
Für Euch dazu heute passender Weise Johnny Cash – “Hurt”
Auch geht der Gedanke an die, die dieses Weihnachten ohne ihre Kinder verbringen müssen. Ohne ihre Eltern. Ohne ihre Familie. Oder ihre Freunde. An die, die nicht wissen, wie man so richtig fühlt. An die, die alles verstoßen, das sie zum Lachen oder Weinen treibt. An die, die es begriffen haben. Die jetzt da sitzen mit so viel Liebe in ihren Herzen und nicht wissen wohin damit, weil sich alles über Jahre aufgestaut hat und jetzt nur noch raus will. An die, die nichts mehr haben, als Liebe in ihren Herzen, weil das heute so selten ist. An die, die Mitgefühl und Empathie haben. An die, die in den Arm nehmen und an die, die es nicht können. An die, die helfen und zuhören. An die, die noch immer da sind, wenn sonst keiner mehr da ist. An die, die Fehler machen. An die, die daraus lernen. An die, die reflektieren.
An die, die mitdenken. An die Nicht-Denker, an die Viel-Fühler. An die Zweifler. An die Beobachter. An die Macher. An die Ehrlichen. An die Kämpfer. An die Lauten und Leisen. An die, sich über Kleinigkeiten freuen können. An die, die echt sind. An die Herzensmenschen.
An die Liebenden.
An die Hassenden.
An die Träumer.
An die, die es nicht so gut haben, wie ich.
Frohe Weihnachten, ihr Süßen. Besinnt Euch und kommt vor allem zur Ruhe.
theGRUNGEone
Ein schöner Weihnachtsgruß. Wirklich – das hat mich berührt. Hoffe du bist gut ins neue Jahr gekommen. LG, Meike
Ich bin auch gut reingekommen, danke. Mein Start ins neue Jahr war halt eher ruhig, aber trotzdem nett. :-)
