Advent #19 – Dear Heart…
Ich weiß, ich war nicht fleißig, dafür zeitbedingt verhindert. Es gibt nichtsdestotrotz noch ein paar Dinge, die ich, wenn auch unter allgemeinen Schmerzen, loswerden will und muss.
Aus einem offenen Brief an das Herz:
“Was ich Dir noch sagen wollte.
Ich liebe Dich. Heute, gestern und morgen liebe und liebte ich Dich und ich werde Dich lieben. Übermorgen wird es etwas weniger sein und über-übermorgen vielleicht wieder etwas mehr. In 10 Jahren werde ich an Dich denken und Dich lieben, in 20 und 30 Jahren auch. Irgendwann in dieser Zeit wird der Ort für die Liebe zu Dir nur noch einen sehr kleinen Platz in meinem Herzen einnehmen, ein Plätzchen sozusagen. Vielleicht ist es dann nur noch ein Äderchen oder ein verstecktes Gefühlsgerinsel irgendwo tief in der hintersten Ecke meines Herzlabyrinthes. Aber ich werde Dich lieben.
Mein Herz, ich lasse Dich jetzt los.
Natürlich habe ich schon vor einer ganzen Weile aufgehört, daran zu glauben. Aber ich war ja trotzdem da. Naja.
Zu Anfang war da jenes Gefühl, die Aufgefangene zu sein und jetzt – jetzt fange ich auf. Oder sagen wir – ich stehe da und warte mit einer großen Auffangmatte auf den Springer. Es kommt nichts. Gedanklich sehe ich Dich schon daneben landen. Matsche. Einfach so. Und das auch noch, weil Du es so willst. Anders herum: Du willst Dich nicht von mir auffangen lassen.
Warum das so ist, weiß ich schon, aber ich bin jetzt vorsichtig geworden mit den Dingen, die ich Dir sage. Meistens habe ich Recht und das grämt Dich. Die Welt, in der Du für Dich groß geworden bist, ist Dir genug. Und das ist auch gut so.
Mein Schatz, ich möchte Dich für keinen auch noch so winzigen Grund dieser Welt mehr mit der Nase auf die Dinge stoßen, die Dich unglücklich machen. Denn von all den Dingen, die Dich unglücklich machen, kennst Du jedes und Du hast Dich relativ erfolgreich immer wieder auf verschiedenen Wegen zu Deiner Grundzufriedenheit zurück gekämpft. Du weißt genau, was es ist, das Du liebst und hasst zugleich. Das ist es, was für Dich das Leben ausmacht.
Ich begleite Dich zurück an den Ort, an dem ich Dich gefunden habe. Meine Füße folgen Deinen Fußspuren im feinen Sand schwerfällig und dennoch erhaben. Ich halte Deine Hände ganz fest und der eiskalte Wind schiebt uns vorsichtig in die ewigen, tiefblauen Schluchten.
Ich tauche Dich ein und friere ein bisschen. Viele Tränen suchen und finden blindlings den Weg ins Meer und sehnen sich laut nach Dir.
Mit den Händen, die Dich eben noch gehalten, drücke ich Dich sanft ins Wasser, Du läufst und läufst und lächelst und sagst immer wieder “so ist es besser, so ist es richtig” und ich kann Dich ums Verrecken nicht verstehen.
Und ich werde Dich nie verstehen.
Ich lasse Dich los und hoffe, dass Du verstehst.”
Das “Danke” geht hiermit an das Herz und die zweifelsohne schmerzhafteste Zeit dieses Jahres, aus der ich allerdings sehr, sehr viel gelernt habe.
theGRUNGEone
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