WestStadtStory – Poetry-Slam in Essen

Posted by on Okt 30, 2011 in In Wegen (unterwegs) | 5 Comments

Ach Leute.

Ich war Samstag auf einem Poetry-Slam in der Essener Weststadthalle, um genau zu sein: auf meinem ersten Poetry-Slam, als Zuschauer, versteht sich. Und ich kann Euch sagen – ich bin ganz schön erblasst, als ich gedanklich verglichen habe.

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Tobi Katze in Action – Zweitplatzierter

Acht Autoren/ Dichter, die in Zweiergruppen gegeneinander angetreten sind und sich auf hohem Niveau bewortfeuert haben. Die einzige Dame, die sich traute, gegen sieben extraklasse Wortakrobaten-Männchen anzutreten, verriss es natürlich total. Ja, kein Wunder: wer über das leidige Thema der Schreibblockade referiert, muss sich schon was einfallen lassen. Hat sie aber nicht. Wir haben vergeblich auf die Pointe gewartet – Nichts. “Doofe Nuss” sagte ich und dachte so bei mir “Herrje, das hätte ich sein können. Nur in dicker.” (Anm.: lockige Haare, Kopf kleiner als ich, Kopf breiter als ich).
Naja, aber außer, dass sie so am Thema vorbei ist, fiel mir auf, dass vor allem Humor gut ankommt. Es sind nicht mehr die, die ausgefeilte Staatsreden halten, die beklatscht werden. Auch traurige, leidenschaftliche Texte, die ich ja so sehr begehre, haben schnell verloren. So kam es, dass mein eigentlicher Favorit bereits in Runde 1 ausschied. Der nämlich trug in aller Tiefe und mit äußerster Inbrunst ein Gedicht vor, das mir das Gefühl vermittelte, in einem ZDF-Fernssehspiel über Berlins Straßenkinder zu sitzen. Toll irgendwie, aber wie wir ja wissen, erreicht nur der Leichtfuß auch Kinoformat.
Gewonnen hat dann schlussendlich der, der in Runde 1 einen Besuch mit seinen Freunden im Zoo, in Runde 2 (hoffentlich) fiktive Tagebucheinträge über zwei Jahrzehnte und in Runde 3 und 4 noch größeren Schwachsinn verlesen hatte. Sein Pluspunkt war das “wie” und sein außergewöhnliches Talent für Darstellung. Er war komisch und ich muss sagen, ich konnte leider auch kaum aufhören zu lachen.
Womit ich wieder bei der Idee wäre, mich mal als Leser in einen dieser Slams hinein zu schmuggeln. Aber wie gesagt – Trauriges will da keiner hören.
Ganz ab von dieser Idee empfehle ich jedem, der gerne liest und auch lacht, mal so einen Event aufzusuchen. Deutschland hat in der Literaturszene wirklich großartige Randgruppen-Autoren. Und einfach nur da sein inspiriert ungemein.

Ich meine, der nächste Event ist Anfang November. Informiert Euch auch auf dem hauseigenen Blog. Das Schlagwort “WESTSTADTSTORY” sollte Euch via google weiterbringen.

Gruß und schönen Sonntag noch!

theGRUNGEone

5 Comments

  1. JayNightwind
    6. November 2011

    Ahoi.
    Auch trauriges kann gewinnen und ich habe Felix schon öfter auf der Bühne gesehen: Ich weiß nicht woran es liegt, aber er war an dem Abend nicht in Form. Er hat mit dem selben Text schon so manches Finale erreicht, wenn auch nun diesesmal nicht bei uns.
    Und ich selber hatte auch schon mit traurigen/ernsten/kritischen Texten Erfolg. Die Schwierigkeit (vorsicht, nur meine Meinung) bei emotionalen Texten ist, dass man ein gutes Timing erwischen muss und bei der Performance noch immer ein Schäufelchen mehr drauf legen muss, als bei den witzigen Sachen.
    Zu Dunjas Verteidigung sei nun aber auch gesagt, dass sie noch eher unerfahren ist.
    Der nächste Termin ist am 25ten 11ten und ich würde mich ja auch sehr freuen, wenn du dich vielleicht auch trauen würdest. Kannst mich ja mal anschreiben, beim nächsten mal sind auch mehr weibliche Slammerinnen da. Aktuell haben drei zu gesagt.

  2. JayNightwind
    7. November 2011

    Hm.Ich hatte hier schon einen Kommentar geschrieben, aber scheinbar hat das Internet den verschluckt, also versuche ich es nochmal:
    Zu erst: Der nächste Termin ist der 25.11.2011, es geht wieder um 18Uhr mit dem Einlass los und um 19 Uhr startet der Slam.

    Der Herr mit den traurigen Texten hat, dass muss mal gesagt sein, auch schon sehr oft in Finalen gestanden und sich da auch sehr tapfer geschlagen. Vielleicht lag es am vergnügungssüchtigen Publikum, vielleicht war er aber auch nicht in bester Form an dem Tag. ich habe ihn in jedem Fall schon besser gesehen.
    Trotzdem ist es nicht unwahr, dass Humor in dem Ruf steht, erfolgreicher zu sein. Natürlich, man will sich ja am Freitag Abend nicht fertig machen lassen. Das Traurige und Ernste ist leider immer noch etwas für die stille Beschäftigung im Eigenheim.
    Andersherum muss ich aber sagen, man kann auch damit erfolgreich sein, wichtig ist dabei aber zum einen eine ansprechende authentische Darbietung und zum anderen muss wirklich Herzblut im Text liegen.
    Das trauriges keiner hören will, dass würde ich so nicht unterschreiben. Bei mir selbst kann ich das nur beobachten, aber meine schönsten Slamerfolge, die hatte ich mit traurigen Texten und dann habe ich glücklicherweise auch noch gewonnen. Man kann also sehr wohl eine Chance haben.

    Ich würde dich ja auch sehr gerne ermutigen, vielleicht selbst bei uns teil zu nehmen. Im November sind jetzt zum Beispiel schon drei Damen dabei, davon auch zwei Neuanfängerinnen, Warum also nicht?

  3. theGRUNGEone
    7. November 2011

    Da lästere ich EINMAL in diesem Blog und bekomme prompt ‘ne Antwort.

    Ja, nix verschluckt, Kommentare werden doch erst nach Prüfung freigegeben und ich war am Wochenende… nun ja… nicht anwesend ;)

    Natürlich fand ich Dunja mutig und natürlich habe ich gemerkt, dass sie neu ist. Deswegen ja auch der Vergleich. Ich denke eben, dass ich wahrscheinlich auch selbst erst einmal alt aussehen würde. Ich finde auch vortragen so schwierig. Da schwingt bei vielen schon ein gewisses Talent mit und es ist auffällig, dass viele von denen ein ganz anderes Selbstbewusstsein haben. Momentan bin ich lieber still und lausche und bin begeistert über so viel Mut.

    Habe ich was übersehen? Wo kann ich denn Texte von Dir lesen?

    Danke für Deine Äußerung, den nächsten Slam besuche ich ganz bestimmt. Es war wirklich schön bei Euch. :)

    Liebe Grüße!

  4. theGRUNGEone
    7. November 2011

    P.S. Okay. Einmal auf Deinen Nick geklickt und ich kann auch mehr von Dir lesen. *hust

  5. unterm-sofa! – Forever in trouble. » Blog Archive » JayNightwind und ein guter trauriger Text
    7. November 2011

    [...] Wo er doch so nett antwortete, hab’ ich ihn gleich gegooglet: JayNightwind ist Moderator des Poetry-Slam “WestStadtStory” und selbst auch Slammer. Dass auch traurige Texte mal gut ankommen, liegt anscheinend am “Wie”. [...]

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