Schmiede, schmiede
Für die, die es noch nicht wussten – „Glücklichsein“ hat etwas mit Arbeit zu tun. Also nicht mit dem Job als solches, sondern mit der Arbeit an der eigenen Person. Ich weiß, es ist schon vermessen, so eine These einfach unter dieses Sofa hier (hahaaa!) zu schmeißen. Ich meine, immerhin gibt es Millionen von Umständen, die das Glück beeinflussen, ohne, dass man selbst etwas daran rütteln könnte.
Das klassische Beispiel ist: Es stimmt alles – dein Job, dein Partner, dein soziales Leben. Und dann macht der Hausarzt den obligatorischen Gesundheitscheck und findet Krebszellen in deinem bisher gesundheitlich unantastbaren Körper. Ungewissheit, die plötzliche Angst, in unerforschtem Gebiet unterzugehen. Angst um die künftige Lebensqualität.
Oder das einfache Beispiel: Ausnahmezustand trifft Schicksalsschlag. Nach vier Jahren ewiger Abstinenz ringst du dich endlich dazu durch, den Menschen wiederzusehen, der die Hälfte deines Lebens mit dir verbracht hat, dich aber so böse verletzt hat, dass du ihn einfach nur für eine sehr lange Zeit aus deinem Sicht- und Fühlfeld haben wolltest. Du triffst dich mit ihm und alles ist fremd irgendwie und trotzdem befreiend, denn leise kicherst du in dich hinein, weil der Typ, der vor dir sitzt, über die Jahre fett und kahlköpfig geworden ist und gar nicht mehr die Superschnitte, die du damals in der zehnten Klasse in mehreren zweifelhaften Kreuzzügen klargemacht hast. Du nimmst gerade einen Bissen von deiner leckeren Folienkartoffel mit Lachs, als dein lieber Freund, der sich schon wochenlang Sorgen gemacht hatte, dein Ex könnte auch nur annähernd eine Bedrohung für euch und eure wundervolle Beziehung sein, anruft und dir sagt, dass er soeben mit dem Motorrad über die Motorhaube eines unglaublich dreisten Linksabbiegers geschmettert ist. Du stehst da und bekommst einen Moment gar keinen Ton raus, weil alles mal wieder so seltsam passt, das Schicksal, das Drama und irgendwie auch das Unglück. Du merkst, wie unwichtig der kahlköpfige Hefekloß doch plötzlich ist, wie sich das Glück unbemerkt, still und leise Stück für Stück in dein ehemals zerrüttetes Leben geschlichen hat und du dieses um keinen Preis mehr loslassen willst.
Ich glaube daran, dass alles immer irgendwie zurückkommt, das sagte ich, meine ich, bereits irgendwann. Es gibt einen Ausgleich für alles Gute auf dieser Welt und anders herum. Wenn es bergab geht, gibt es auch ein Bergauf. Wenn du Schlechtes tust, bekommst du einen Arschtritt aus einer anderen Richtung deines Daseins. Tust du Gutes, wiederfährt dir Gutes. Und da setzt der Kreislauf ein – wiederfährt dir Gutes, gibt es einen Negativausgleich auf einer gänzlich anderen Ebene, wiederfährt dir der Negativausgleich, wird es irgendwann auch wieder einen Positivausgleich geben. Das passiert dann meistens nicht mal unerwartet. Das Leben und deine Kraft können zwar bedingt Multitasking, aber sind fast nie in der Lage, alles gleichzeitig zu kontrollieren. Deswegen gleicht das Schicksal zwar einerseits mit all den äußeren Einflüssen aus, aber insgesamt, und damit wären wir wieder beim Beginn dieser Ausführung – deines Glückes Schmied bist du selbst, nur du. Du kannst priorisieren, du kannst lenken. Wenn du Traurigkeit in dein Leben lässt und Liebe, die dich zerstört, hast du es so gewollt. Sicherlich bedarf es einiger Kraft, um nicht zu sagen viel Kraft und jeder Menge Kernenergie, sich nicht der eigenen Natur hinzugeben und liegender Weise kurz über dem Boden zu schweben, nicht aufstehen zu können, nicht aufstehen zu wollen. Aber auch da gilt – wie bist du in diese Position geraten? Liegend kurz über dem Boden zu schweben kostet ebenso Kraft, die konntest du dafür auch aufbringen. Also schmiede, schmiede. Erhitze, forme, baue und kühle ab. Verschaffe dir Gewissheit, sorge dich um die, die dich lieben und respektieren, um die, die Angst um dich haben. Liebe selbstlos und grenzenlos, aber zerstöre dich nicht dabei. Bereue nicht, aber gehe weiter. Akzeptiere erst, wenn du gekämpft hast, aber akzeptiere dann mit jeder Faser. Weine und schreie, aber vergiss nicht, dann wieder zu lachen. Verzeihe. Am Ende des Tages bist du total fertig, aber du hast etwas für dich getan. Und, ich spreche aus Erfahrung, es kostet nur halb so viel Energie und Kraft und Schweiß, sich einmal aufzuraffen und loszulaufen, als die Schwebeposition dauerhaft zu halten.
Jetzt bin ich glücklich. Endlich mal. Nun muss ich diesen Status nur noch halten. Und auch da gilt wieder: Wiederfährt Dir Gutes, …
In diesem Sinne. Ich fiebere schon auf das nächste Tief hin.
=)
theGRUNGEone
