Alles neu

In Zeiten wie diesen stellen wir uns wie Fackeln in den Sturm, brennen vergeblich, mit aller Kraft, retten uns durch jedes Wetter, um am Ende, wenn gerade die Wolkendecke aufbricht und die Sonne uns beteuert, dass wir es geschafft haben, kraftlos an den letzten Regentropfen, die sich noch schwermütig von den Bäumen fallen lassen, zu erlöschen.

Wenn wir einmal angefangen haben zu zweifeln, finden wir kaum noch einen Weg zurück. Mit entgleisten Worten und sich überschlagenden Gedanken kämpfen wir, während wir feierlich zu Abend dinieren, Kerzenschein besänftigt die Gemüter, bis einer unheilvoll das Licht einschaltet. Das, was wir so sehr geschätzt haben, geht uns plötzlich nur noch auf die Nerven, ein Kichern wird missinterpretiert, jemand tätschelt dem anderen den Kopf und dann ist es eigentlich schon wieder vorbei mit dem Frieden. Was wir tun, um das zu verhindern, ist zumeist nach der inneren Ruhe suchen, Worte ignorieren und alles maßlos in uns hinein fressen. Irgendwann gibt es dann immer einen Indikator, der das Fass zum Überlaufen bringt. All das, was wir uns nach der letzten Trennung geschworen haben nicht mehr zu tun, werfen wir über den Haufen und explodieren in unsere angestaute Wut und den unsagbar überwältigenden Schmerz hinein, der mit all den kleinen, hässlichen Gesten stetig gewachsen ist.

Was uns bleibt, ist Ratlosigkeit. Und der Gedanke daran, dass nichts mehr so werden wird, wie es einst war. Natürlich geben wir den Kampf darum auch nicht auf. Natürlich versuchen wir mit Erinnerungen an die Zeit vor der Leere all das aufzuwiegen, was zu Bruch gegangen ist. In wenigen Momenten gelingt es uns, ein Lächeln auf das Gesicht des anderen zu zaubern. Aber was ist schon Magie, wenn die Realität doch so viel anders aussieht.

Die Lösung kommt mit der Zeit. Wir fangen an zu vergessen und filtern Gefühle und Gedanken, bis am Ende nur noch ein winziger Rest übrig bleibt. Dieser Rest ist die Assoziation zu einst Gewesenem, zu zwei oder drei einschneidenden Erlebnissen. Meistens geht es gut – wir erinnern uns an Glücksballons, die in Bäumen verbrannt sind, an Spuren im Sandstrand der rauen Nordsee, an Wein in Strandkörben und den ersten Besuch bei uns zuhause. Wir wissen, dass die Zeit kommt, in der wir verzeihen können, aber so lange müssen wir Abstand gewinnen, um uns selbst die Möglichkeit zu geben, Kraft zu tanken und ehrlich zu uns selbst zu sein.

theGRUNGEone

Veröffentlicht: 08. 09. 2010, 14:34
Kategorien: In Worten
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