Note um Note

Posted by on Dez 22, 2008 in In Worten | 2 Comments

Das kommt, weil wir nie sprechen.

Ich hatte das auch mal. Nur bin ich zu feige, es laut zu sagen. Du könntest es ja kommentieren und – oh Schande – Recht dabei haben.

Eigentlich ist es in etwa zeitgleich passiert. Letztes Jahr im späten Sommer, fast Herbst, hat’s mich erwischt. Ich weiß nicht, inwieweit ich das Wörtchen “verlieben” hier nutzen darf, aber ich beschreibe es einfach mal so. Ich war ausladend verknallt und sicherlich gab mir diese für mich temporär so wichtige Sache, ähnlich wie bei Dir, den letzten Arschtritt und somit Antrieb, unsere dazumal von der Beziehung zur Zweckgemeinschaft degenerierte Verbindung wirklich zu brechen. Wir sind immer auf der Suche und selbst, wenn wir nicht auf der Suche sind, werden wir aufmerksam, wenn jemand nach uns sucht: Hach. Jemand mag mich. Und ohhh. So schlecht ist der gar nicht.
Kein Lückenfüller – ein Lückenschließer. Das sind Menschen, die uns da ausfüllen, wo etwas fehlt. Was der eine nicht kann, weil er nicht mal daran denkt, weil er es vergisst oder weiß der Geier warum, genau das wird uns der Lückenschließer geben. Und der Lückenschließer weiß das in den meisten Fällen selbst am besten und nutzt es – bewusst oder unbewusst, ich möchte ja nichts unterstellen – aus.
Um zum Thema zurückzukehren: ich habe mich verliebt, weil ich in diesen Augen unterging, die mich erfüllt von Leichtigkeit und Ausdruck wie eine dieser (schon mal beschriebenen) niemals enden wollenden Sommerzugfahrten mitrissen (und ja ich bin scheiße romantisch). Ich konnte gar nichts tun, ich wusste noch nicht mal, wem diese Augen gehörten, ich wollte sie nur. Sie schlossen die Lücke mit Lebenslust und Interesse, begehrt zu werden ist eines der Gefühle, das einen Großteil der eigenen Persönlichkeit ausmachen kann. Wer immer das nicht zugeben mag, ist sich entweder dieser Wirkung nicht bewusst oder, dieser Fall kommt im Verhältnis wohl häufiger vor, wurde nie richtig begehrt.
Natürlich bemerkte ich ziemlich schnell, was da vor sich ging, das Furchteinflößende aber war: Ich dachte mit keiner Silbe daran, mich nicht auf diesen wunderbaren Herzsprung einzulassen.

So vergingen danach Tage um Wochen, um Monate und während sich diese Melodie behaglich Note für Note zu einem Meisterstück zusammenfügte, erklang in gewohnter Umgebung nicht einmal der allseits gute Laune verbreitende Elektrosound. Und es störte mich nicht. Nicht so. Denn ich hatte ja den, der einzelne Noten lange und sauber ausspielte.
Im tiefgrauen November überwand ich mich, wie nicht all zu oft, deine Einladung zum Hören deiner Melodie anzunehmen. Zu viert kreuzten wir am Abend bei ihr auf, um später um ihren Küchentisch zu sitzen und gemeinsam zu trinken und um, wie so oft, wenn wir dort waren, unsere Konflikte unpersönlich und grob in offener Runde zu klären. Dass es immer dort passierte, daran war die Melodie Schuld. Nicht nur, dass sie in ihrer unerträglichen Lautstärke kaum auszuhalten war, sie war eure Melodie. Euer Stück. Und ich fand sie wirklich, wirklich geschmacklos.
So hielt sich das Thema bei Ungerechtigkeiten und gehaltlosen Tiraden, bei albernen Stichelein, dass sich die Fronten trennten. Ich fröhnte nicht dem Alkohol – eine halbe Stunde später saß ich im Auto heimwärts und begriff, dass mein Verschwinden nicht unser Problem löste, sondern deines, zumindest für diesen Abend. Unter Tränen, die in dieser Zeit inmitten meiner Hilflosigkeit nicht selten mein Gemüt beruhigten, begriff ich aber auch, dass die Entfernung erst an jener Stelle mit bloßem Auge für mich erkennbar geworden war. Dass ich selbst mich von dannen schlich, konntest du nicht wissen. Schritte waren unsichtbar, ich lief in mich hinein und von da aus weg.

Du hast es nur gehört. Du hast sie gehört. Meine Melodie, neu und ganz weit weg von Dir. Und wahrscheinlich fandest du sie wirklich, wirklich geschmacklos. Zumal daraus schon ein ganzes Lied geworden war.

Ich verstehe, jaja, ganz langsam. Du hast mich wenigstens daran teilhaben lassen.

theGRUNGEone

P.S: Den Witz mit dem One-Hit-Wonder kann ich mir an dieser Stelle sparen, oder? :D

2 Comments

  1. vokuhila
    8. Januar 2009

    Jetzt verstehe ich auch deine gelegentlichen “Keinen Zentimter…” Ausbrüche.

    Schöner Text. Lob!

  2. theGRUNGEone
    8. Januar 2009

    danke, jöönchen =)

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