Let it die.

Posted by on Jan 22, 2008 in In Worten | 2 Comments

“The saddest part of a broken heart
Isn’t the ending so much as the start.”

(Feist – Let it die)

Du willst auch nicht, dass diese Sommerzugfahrten enden.

Der Wagen ist viel zu überfüllt, die Luft zu heiß und die offenen Fenster könnten nicht kleiner sein.

Wenn diese Fensterchen ab und an ein laues Windchen dein Gesicht streicheln lassen, während du von deinem hart erkämpften Erste-Klasse-Türstehplatz aus mit einem weichen Klavier-O-Ton tief in deiner Stimmungslage weit über die abendsonnengefluteten Weizen- und Maisfelder fliegst, ist dir auch egal, dass sich neben dir das erste Grillpartyopfer dieses wunderbaren Sommerabends seines Bieres in den 30 x 70 cm großen Müllbehälter des Vorraums entledigt und noch nicht mal trifft.

Du hast nichts. Du brauchst auch nichts. Alles, was dich glücklich macht, ist das Maisfeld vor deiner Nase.

Wenn ich denke, dass es nie aufhören darf, der Weg und all das, bin ich plötzlich am Ziel. Wenn ich erkenne, dass ein Weg nicht nur mühselig ist, wenn ich anfange, all das zu genießen, bin ich verdammt noch mal plötzlich am Ziel: Der Wohnungsgroßputz entwickelt sich zu Sport und Wohlfühlkampf. Smalltalks arten in profunde Gespräche aus. Hilfe wird zu einem umfangreichen Großprojekt. Zweckabhängigkeit mündet in Freundschaft. Liebe in tiefstem Verständnis. Und dann muss es immer ein Ende haben, damit sich etwas neues den Weg bahnen kann. Es muss ein Ende haben, damit Gelerntes und Erfahrenes bei etwas anderem wieder neu umgesetzt werden kann. Der Mensch will sich stetig verbessern.

Dacht’ ich mir so. Immer.

Und dann kommt der Punkt, an dem du eine lang ersehnte Veränderung herbeiführst und durchsetzt, weil du meinst, auch dieses Ziel ist erreicht. Du freust dich auf all das, was dich dann zu erwarten vermag. Du hast dir schon ganz genau einen Plan zurecht gelegt. Du weißt, was du willst.

Auf einmal ist der Boden weg.

Zum ersten Mal überhaupt baut sich unversehens direkt vor dir eine Grenze auf und du willst es eigentlich einfach nur ignorieren. Weil du zu feige bist, es zu verstehen.

Wer einmal im Sommer Zug mit Windchen im Gesicht und Abendsonne über den Feldern gefahren ist weiß, wie lange danach das Herz noch glückerfüllt zwischen den Getreidehalmen umhertollt. Der weiß, wie schmerzhaft es ist, all das hinter sich lassen zu müssen. Der weiß auch, wie gut es doch tut, den Kopf mal aus der Sonne zu nehmen. Der weiß aber vor allem, dass diese Zugfahrten enden und immer wieder enden.

Hoffentlich ist schnell wieder Sommer.

theGRUNGEone

2 Comments

  1. wieviel werkzeug braucht der mensch? ;) » Blog Archive » gebündeltes weizenherz
    12. Februar 2008

    [...] du willst auch nicht, dass diese sommerzugfahrten enden. [...]

  2. unterm-sofa.com » Note um Note
    22. Dezember 2008

    [...] die mich erfüllt von Leichtigkeit und Ausdruck wie eine dieser (schon mal beschriebenen) niemals enden wollenden Sommerzugfahrten mitrissen (und ja ich bin scheiße romantisch). Ich konnte gar nichts tun, ich wusste noch nicht [...]

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