Darum.
Weil du gesagt hast, dass alles gut ist, habe ich angefangen, es nicht mehr zu glauben.
Es ist eine Weile her, dass ich an einem Donnerstagmorgen aus einem so typischen Traum aufgewacht bin, der mir den ganzen Tag versaut. Einer dieser Tage, an denen ich schon nicht mal mehr auf dem Weg zur Arbeit traurige Lieder höre. Ich sitze auf einer “Halbhöhe” und es reißt mich jedes Mal so, dass ich wehrlos in Geräuschlosigkeit falle. Obwohl ich glaube, sicher zu sitzen.
Diese Tage machen mich fertig. Alles um mich herum scheint still zu stehen. Es ist ein Klischee, ich weiß. Aber ich bemerke meist erst wieder, wenn ich vergesse, dass ich die einzige war, die still gestanden hat.
Ich merke nicht, dass wir kommunizieren, wenn wir es tun und ich merke, dass wir kommunizieren, wenn wir es nicht tun.
Oft habe ich mich gefragt, ob das alles ist. Immer und immer wieder kommt alles so unzerkleinert hoch, wie ich es geschluckt habe. Ob das alles ist kann ich mir dann meist schon beantworten.
Ich kann dich hören und sehen und all das, was ich nicht will. Ich erinnere mich tausendmal an dich und jede Erinnerung ist mir wie pures Benzin im Magen. Sie wecken Misstrauen in mir und Wut darauf, dass ich wusste, dass ich mich erinnern würde. Dass ich mich so erinnern würde.
An solchen Tagen ist es noch schlimmer.
Und am schlimmsten ist es, wenn du mir sagst, dass alles gut ist. Denn es ist alles gut. Solange ich das hören kann, ist wirklich alles gut.
Gestern Nacht kam mir in den Sinn, wie der beste Teil meines bisherigen Lebens angefangen hat. Heute habe ich irgendwo gehört, dass ein Mensch sich immer dann an den Anfang erinnert, wenn etwas zuende geht.
Solche Sprüche halte ich normaler Weise für klug. Aber diesmal lege ich ein erstes, sehr stilles Veto ein.
Du gehörst nicht zu denen, die den “besten Teil meines Lebens” erschaffen haben. Und auch nicht zu denen, die es noch immer dazu machen. Du bist nicht da und du wirst nie da sein. Niemals real. Oder gar realistisch. Du machst nicht, dass ich mich gut fühle, du machst, dass sich Säure in meiner Speiseröhre bildet. Du gibst mir ein einziges Gefühl: Dass ich nicht ich bin, aber Du umso mehr, was ich zu verspüren meine.
Nichts ist gut.
Gestern Nacht habe ich mich an den Anfang erinnert und heute Morgen verstanden warum.
Dann habe ich mein Gesicht in seinem Nacken vergraben und gedacht:
“Darum.”
